Veröffentlicht: Sonntag, 19. Juli 2015 12:04

Gewalt in der Familie - wohin in Graz und wozu Psychotherapie?

golfbaelle1Viele von uns kennen jemanden, der oder die von Gewalt in der Familie betroffen ist. 

Manche von Ihnen sind vielleicht als Vertrauenspersonen mit dem Thema befasst. Den meisten wird aber gar nicht bewusst sein, dass sie ein Opfer häuslicher Gewalt kennen, denn das Thema ist schambesetzt und Opfer von Gewalt erzählen nicht (gerne) davon.

Oder vielleicht sind Sie selbst betroffen oder Sie überlegen, ob Sie betroffen sind, weil Sie nicht sicher sind, wie Sie das Verhalten Ihres Partners einordnen sollen.

Zumeist (aber nicht immer) geht die Gewalt in der Familie von Männern aus, Frauen sind eher die Opfer. Von diesem Fall gehe ich in meinem Beitrag aus. Aber selbstverständlich kann es auch anders sein.

 

Wenn Sie in einer Gewaltbeziehung leben...

Die Basis für eine Beziehung, in der es Gewaltvorfälle gibt, ist ein ungleiches Machtverhältnis, das ausgenutzt wird. Der Partner, der ja ein enger Vertrauter ist, wird zum Täter. Er demütigt Sie und macht Sie runter. Mit der Zeit verbietet er Ihnen  Kontakte, sperrt Sie ein. Er übt vielleicht finanzielle Gewalt aus, indem er Ihnen kein Geld mehr gibt  und schüchtert Sie ein, indem er auf Ihre Abhängigkeit verweist. So wie in den von mir beschriebenen Beispielen oder so ähnlich können Schritte in einer Gewaltbeziehung ablaufen. All dies bezeichnet man als psychische Gewalt.

Körperliche Gewalt bedeutet, dass Sie beispielsweise geschubst werden oder an die Wand gedrückt. Würgen und Treten gehören auch zur körperlichen Gewalt. Und natürlich das Schlagen. Viele Opfer von Gewalt glauben, dass sie keine körperliche Gewalt erleben, weil sie nicht geschlagen werden. Geschlagen zu werden ist jedoch nur eine Form körperlicher Gewalt. Bevor es zu körperlicher Gewalt kommt, wird es psychische Gewalt geben. Die psychische Gewalt ist sozusagen notwendig, damit Sie überhaupt körperlich angegriffen werden können.

Und nicht zuletzt gibt es noch die sexualisierte Gewalt. Dazu gehört jede Nötigung zu sexuellen Handlungen. Eine Vergewaltigung ist eine schlimme Form sexualisierter Gewalt, aber nicht die einzige.

 

Schämen Sie sich? - Damit sind Sie nicht allein!

Meist schämen sich die Opfer dafür, dass ihnen das passiert oder dass sie es nicht schaffen, die Beziehung  zu beenden. Oder sie haben Angst und wissen nicht, wie sie aus der Beziehung aussteigen sollen. Viele fragen sich, was sie falsch machen, dass ihnen das geschieht und fühlen sich schuldig, weil ihre Beziehung schlecht läuft.
Und dann ist da auch noch die Liebe, denn niemand ist immer nur gewalttätig. Auch Täter haben liebenswürdige Seiten. Auch in Gewaltbeziehungen gab und gibt es immer wieder schöne Zeiten.

 

Die Gewaltspirale

Häufig kommt es nach einem Gewaltvorfall zu großen Entschuldigungen und Versprechen. Sie erleben eine schöne Zeit. Bis die Stimmung wieder angespannter wird, Sie vorsichtig werden, damit Sie ja nichts Falsches sagen und es wieder zu einem Vorfall kommt. Der Täter wird die Verantwortung für sein Verhalten in aller Regel nicht übernehmen, Sie werden sich schuldig und schlecht fühlen. Die schönen Zeiten werden immer kürzer, die Vorfälle häufen sich und werden intensiver...

 

Gewalt hat psychische und körperliche Folgen!

Psychologische Folgen können zum Beispiel die Angst um sich selbst und um die Kinder, ein verringertes Selbstwertgefühl, Verzweiflung und Ohnmacht, Alkoholmissbrauch usw. sein.

Auf der körperlichen Ebene kann zunächst die Gewalt an sich Folgen haben. Hämatome am Körper, ein "blaues Auge", Verletzungen vom Würgen und Würgespuren, gebrochene Gliedmaßen. Auch ausgerissene Haare schmerzen und Rötungen der Haut von Ohrfeigen oder vom Festhalten gehören in diese Kategorie.

Auf der körperlichen Ebene könnten Sie aber auch als Folge der Misshandlungen unter Beschwerden leiden. Manche Opfer von Gewalt leiden zB unter Atemwegsbeschwerden, unter Blasenentzündungen, gynäkologischen Beschwerden, Nervosität, Blutdruckschwankungern - oder unter anderen psychosomatischen Symptomen.

 

Gehen Sie den ersten Schritt in Richtung Sicherheit!

Wenn Sie selbst Opfer sind, dann wenden Sie sich an das Gewaltschutzzentrum, das nicht nur in Graz, sondern auch in den Bezirken, tätig ist. Dort bekommen Sie rechtliche Information und Begleitung, sodass Sie sich ein Bild über Ihre Situation verschaffen können und alle Maßnahmen ergreifen können, um Ihre Lage zu verbessern und für Schutz und Sicherheit zu sorgen!

Außerdem können Sie sich an ein Frauenhaus wenden. In der Steiermark gibt es ein Frauenhaus in Graz und ein weiteres in Kapfenberg - siehe Link.

Wenn Sie Freund/in oder Angehörige sind, können Sie das Opfer ermutigen Kontakt mit einer dieser Einrichtungen aufzunehmen und einen Termin zu vereinbaren.

Die Tatsache, dass man sich beraten lässt und was genau in Terminen besprochen wird ist vertraulich und anonym. Niemand wird Auskunft darüber bekommen, DASS Sie sich Hilfe suchen oder herausfinden können, WAS Sie besprochen haben! Sich beraten zu lassen heißt auch nicht, dass Sie unter Druck gesetzt werden, die Beziehung zu beenden!

Sich beraten zu lassen heißt, dass Sie dem Problem Raum geben und nach Ihren Möglichkeiten fragen und danach, selbst wenn Sie in dieser Beziehung bleiben möchten, immerhin wissen, wie Sie für Ihre Sicherheit sorgen können.

 

Was kann ich in der Psychotherapie zusammen mit Ihnen tun?

Ich als Psychotherapeutin kann Ihnen den sicheren Rahmen bieten, in dem Sie über sich selbst und Ihre Situation sprechen können, ohne eine Entscheidung treffen zu müssen.

Ich kann Sie dabei unterstützen, dass Sie Ihren Wert wieder spüren und sich bewusst werden, dass Sie die Gewalt nicht verdient haben - selbst wenn Sie ein "Fehlverhalten" gesetzt hätten, wäre Gewalt niemals eine adäquate Antwort darauf!

In einer Psychotherapie können Sie sich selbst wieder wahrznehmen lernen und Vertrauen zu sich selbst gewinnen.

Ich kann Sie dabei begleiten, wie Sie sich Schritt für Schritt Ihr Leben zurückerobern und Sie dabei unterstützen, dass Sie so leben wie SIE gerne leben möchten.