Veröffentlicht: Mittwoch, 07. Oktober 2015 09:29

Suizidalität: Was tun?

despairFast alle Menschen denken irgendwann darüber nach, ob sie leben wollen oder lieber nicht und "liebäugeln" mehr oder weniger damit, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Manche Menschen malen sich sogar ihr Begräbnis aus und erleben es als befriedigend, wenn sich sich vorstellen, wie die Hinterbliebenen leiden. Für die einen ist die Möglichkeit, das eigene Leben zu beenden, einfach ein Gedanke, der vielleicht ein kleines mulmiges Gefühl erzeugt, weil er auch gar nicht so intensiv ist. Sie nehmen zB die verschiedene Möglichkeiten wahr und überlegen "wie wäre das jetzt" und damit ist es wieder gut. Für andere ist es intensiver und beängstigender. Aber fast alle Menschen haben über die Option irgendwann einmal nachgedacht.

 

Manchmal entsteht ein intensiver Leidensdruck

Für andere, speziell dann, wenn im Leben etwas nicht in Ordnung ist, ist der Gedanke an Suizid zusätzlich belastend und beängstigend. Schließlich, so befürchtet man, tut man "es" vielleicht irgendwann unabsichtlich oder spontan und entwickelt Ängste vor bestimmten Situationen, traut sich vielleicht nicht mehr, gewisse Orte aufzusuchen. Dazu kommt noch häufig Scham, weil man "sein Leben nicht auf die Reihe kriegt". 

 

Was können Sie selber für sich tun?

Wenn Sie suizidal eingeengt sind, wenn Sie nichts mehr anderes denken können, wenn Sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, wenn Sie sich mit der Vorstellung Ihres Todes beschäftigen, dann bezeichnet man das als akut. In diesem Fall sind Sie am besten in einer Einrichtung aufgehoben, wo Sie rund um die Uhr versorgt sind. In Graz ist das das LKG Graz Süd-West, vormals LSF. 

Wenn Sie zwar immer wieder daran denken, aber nicht in Gefahr sind, in naher Zukunft etwas zu tun, dann kontaktieren Sie eine Psychotherapeutin.

In jedem Fall kann der Besuch bei einem Psychiater hilfreich sein.

 

Wer will schon in die Psychiatrie?

Zugegebenermaßen wollen das die wenigsten Leute. Manche haben gute Erfahrungen und wissen, dass ihnen das fürs Erste hilft. Andere haben gar keine Lust drauf, keine Erfahrungen oder wurden enttäuscht. Tatsache ist, dass man manchmal die Psychiatrie braucht, um einen Menschen zu schützen, bis die Gefährdung wieder abgeflaut ist.

Gleich ist es mit Tabletten. Fast niemand will sie und doch sind sie oft sehr nützlich, um eine schwere Phase zu überstehen. Wenn man einmal ein Medikament bekommen hat, dann bedeutet das nicht, dass man es für immer nehmen muss. Irgendwann greift die Psychotherapie und das Medikament wird irgendwann nicht mehr gebraucht. Der Ablauf ist von Person zu Person verschieden. Man bespricht die Einnahme und das Absetzen von Medikamenten mit dem Psychiater.

 

Meine Haltung: Suizidalität nehme ich ernst, aber ich fürchte mich nicht

Als Psychotherapeutin nehme ich Suizidalität natürlich ernst.

Der Rahmen: Ich bitte Sie, zum Psychiater bzw. ins Krankenhaus zu gehen, wenn ich Sie für akut gefährdet halte. Wir besprechen das aber immer gemeinsam. Ich entscheide nur im äußersten Notfall über ihren Kopf hinweg. Ihre Sicherheit ist sehr wichtig für mich, denn ich möchte nicht, dass meinen KlientInnen  etwas Schlimmes passiert. Erstens weil Sie als Menschen wichtig sind. Und zweitens geht es - ganz klar - um meinen Beruf und mögliche juristische Folgen, aber auch um meinen inneren Frieden als Mensch.

 

Bleiben Sie auf jeden Fall nicht allein mit Ihren Sorgen und Problemen!

Die Welt schaut oft schon ein bisschen besser aus, wenn man nicht mehr alleine ist mit all dem was einen quält und belastet. Alleine zu sein verschärft die Probleme, Begleitung und Halt helfen dabei, im Leben wieder Fuß zu fassen.


Und seien Sie nachsichtig mit sich. Sie haben nicht versagt, wenn es Ihnen schlecht geht, sondern Sie sind ein ganz normaler Mensch. Leider kommen schlimme Phasen vor und sie können jede/n von uns treffen!

Auf dass es Ihnen bald besser gehe! sun200

 

Der Ausblick auf die nächsten Blogbeiträge: