Veröffentlicht: Sonntag, 22. November 2015 19:40

Still geboren - und das Einzige was bleibt ist ein Foto

Heute bin ich auf facebook auf einen interessanten Beitrag gestoßen von einer Fotografin aus Kiel, die still geborene Kinder fotografiert. Da ist mir eingefallen, dass ich im letzten Jahr Kontakt zu Anna Lisa Chang hatte, die Fotografin in Graz ist und auch still geborene Kinder fotografiert. Ich habe sie um einen Kommentar gebeten und sie schrieb auf facebook: "Wir haben im Grazer Raum mittlerweile schon 3 Fotografinnen und einen Fotografen, die sich dieser Aufgabe angenommen haben. Es ist so wichtig für die Eltern, eine bleibende Erinnerung an ihr Kind zu haben, aber das Thema ist leider oft noch ein großes Tabu.


Ich habe auch einmal einen Text über meine Aufgabe als Sternenkindfotografin geschrieben. Nachzulesen gibt's ihn hier:" http://annalisachang.com/2015/06/05/vom-fotografieren-eines-sternchens/comment-page-1/

Ich mag ihren Beitrag sehr gern. Sterbende Kinder sind ein unheimlich schwieriges Thema, an das man sich erst einmal herantrauen muss. Sie schreibt: "Ich weiß nie, was ich sagen soll, wenn ich den Eltern gegenüber stehe. Und das sage ich ihnen dann ehrlich. Es gibt keine richtigen Worte. Ich habe es selbst nicht erlebt und kann es mir gar nicht vorstellen, welchen Schmerz sie wohl gerade empfinden. Welche schweren Entscheidungen sie fällen müssen. Zu Beginn stelle ich nur gleich mal klar, dass sie mich jederzeit weg schicken können, wenn es zu viel für sie wird. Ich nenne die Kinder bei ihrem Namen und fasse sie nicht an, ohne davor die Eltern um Erlaubnis gefragt zu haben. Das sind die Regeln, die ich für mich selbst aufgestellt habe und die bisher ganz gut funktioniert haben."

Nicht alle Krankenhäuser stehen dem Angebot wohlwollend gegenüber. Manche bieten es den Eltern an und nehmen Kontakt mit ihr auf und andere wollen das nicht. Gehen tut es aber um die Eltern! Was brauchen Eltern in dieser Ausnahmesituation? "Niemand kann die Eltern zwingen, Fotos von ihrem Kind zu machen oder machen zu lassen, aber ich finde, sie sollten wissen, dass Bilder die Trauerarbeit unterstützen können. Sie müssen auswählen können. Was brauche ich? Was kann mir helfen? Um diese Entscheidungen fällen zu können, müssen sie aber erst einmal wissen, welche Angebote und Möglichkeiten es überhaupt gibt."

Zu dem Zeitpunkt als die Autorin über das Thema schrieb, gab es nur sie in Graz, die sich auf diese Einsätze einließ. Deswegen war sie zurückhaltend mit Informationsmaterial für Hebammen und Krankenhäuser, weil man nicht zu viele Einsätze dieser Art im Jahr machen soll. Oben schreibt sie, dass es mittlerweile vier FotografInnen sind, die sich dieses Themas annehmen. - Ich find das toll und finde, so viel Mut gehört gewürdigt!

Sagen Sie es weiter!

Wenn Sie ein Paar/eine Frau kennen, die in der tragischen Situation ist, von diesem Angebot wissen zu sollen, dann sagen Sie es einfach weiter. So beängstigend und traurig ist, so wichtig ist es, auch dieses Thema aufzugreifen. Damit Menschen, denen so Schreckliches widerfährt die Wahl haben und verschiedene Möglichkeiten mit ihrer Situation umgehen zu können.

Das Schicksal können wir nicht ausschalten. Es ereilt die Menschen einfach. Aber wir können liebevoll mit denen umgehen, die so hart getroffen werden.