Veröffentlicht: Sonntag, 14. Mai 2017 14:00

Gruppentherapie: Vom Umgang miteinander in einer Gruppe Menschen

Es kommt vor, dass sich potentielle KlientInnen melden, weil sie gerne eine Gruppentherapie machen möchten. Meistens schlage ich jedoch KlientInnen die Gruppe vor, wenn ich den Eindruck habe, dass sie "mehr Welt" brauchen, als ich bieten kann. Damit meine ich, dass eine Gruppe von Menschen natürlich viel mehr Perspektiven einbringen kann und in manchen Fällen kann dies wichtig sein. 

Die meisten KlientInnen sind eher skeptisch, viele von ihnen probieren es aber aus und bleiben, so sie sich dafür entschieden haben, auch in der Gruppe. Eine Klientin formuliert es so: 

"Als die erste Gruppe angefangen hat, war ich sehr nervös und habe mir nicht vorstellen können, dass das was für mich ist, aber jetzt weiß ich, dass es mir guttut, deshalb überwiegt die Vorfreude."

Woran es liegen könnte, dass eine Gruppentherapie nur selten angefragt wird, haben ein Kollege und ich uns überlegt und sind - unter anderem - darauf gekommen, dass viele Menschen schwierige Erfahrungen in Gruppen gemacht haben. 

Viele Menschen haben schwierige Erfahrungen in Gruppen gemacht. 

In den Kinder- und Jugendjahren verbringen wir viel Zeit in Kindergarten und Schule und natürlich in der Familie. Das sind alles Gruppen. In all diesen Gruppen können wir gute Erfahrungen machen. Viele Menschen haben die Erfahrung von Zusammenhalt gemacht, von Gemeinsamkeit, von miteinander Lachen und Nähe.  Es gibt aber auch sehr schwierige Erfahrungen, die über Jahre nachwirken können.

Es gibt ungerechte LehrerInnen, es gibt Ausgelachtwerden, es gibt Konflikte - und leider passiert es zu oft, dass schwierige Situationen nicht aufgeklärt und ausgeglichen werden. Da stehen sie nun offen und in Zukunft meidet man manche Situationen, spürt eine diffuse Angst und zweifelt an sich selbst, weil man so "wehleidig" ist. 

Manche von uns haben die Erfahrung gemacht, dass sie in der Schule lieber den Mund halten, wenn sie die Erfahrung gemacht haben, dass der Stärkere gewinnt. Der Stärkere kann in dem Fall ein Lehrer sein, durch dessen Verhalten jemand Ängste entwickelt hat. Oder es ist ein Mitschüler, der die einflussreicheren Eltern hatte, weshalb ein Konflikt entsprechend gelöst wurde. Zusätzlich zu solchen Erfahrungen haben viele von uns gehört, dass man halt auch was aushalten muss, "weil man schließlich im echten Leben ja auch zurechtkommen muss." 

In einem gewissen Maß ist das natürlich völlig richtig. Im Leben ist es manchmal auch ein bisschen ungemütlich. Im Regelfall können wir uns aber als Erwachsene zur Wehr setzen oder leben leichter, wenn wir dies können. Wir können Arbeitsplätze verlassen, wenn sie uns zur Qual werden und müssen uns nicht mehr allem aussetzen, wenn es uns zu viel wird. 

In Familien kann es ganz ähnlich sein. Es gibt gut funktionierende Familien, aber es gibt auch übergriffige, in denen Kindern vielleicht die Würde genommen wird, in denen sie abgewertet werden, Familien, in denen es auch körperliche Gewalt gibt... 

Wenn Gruppe in der Erinnerung aber ein Ort ist, an dem es schwierig wird, ich mich zurücknehmen muss, um nicht ins Schussfeld von "Stärkeren" zu kommen, wenn ich dort vorgeführt werden könnte, dann werde ich nicht auf die Idee kommen, in eine Therapiegruppe zu gehen, um meine Probleme zu lösen. 

Der Umgang in der Psychodramagruppe miteinander

In einer Psychodramagruppe wird ein sehr angenehmer, warmer Stil gepflegt. Wenn eine Gruppe startet, geht es zuerst einmal darum, einander kennenzulernen, ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Wir bringen einander Wertschätzung entgegen, nehmen einander ernst und jede und jeder kriegt Raum um was beizutragen. Der Gruppenabend hat eine gewisse Struktur, folgt einem bestimmten Ablauf. Klicken Sie auf dieses Video, um sich ein Bild vom Ablauf machen zu können.  

Auslachen, Abwerten, nicht ernst nehmen - das sind Erfahrungen, die Sie hier nicht machen bzw. so dies passieren sollte, machen wir eine Lernerfahrung für alle daraus, ohne jemanden dabei vorzuführen.